Lasst euch keinen Bären aufbinden! – Über die wahre Herkunft der Sprichwörter und ihre Bedeutung

 

Jeder kennt sie, jeder benutzt sie: Sprichwörter. Von „Mit jemandem durch dick und dünn gehen“ bis hin zu „Eine Leiche im Keller haben“ –  zu so gut wie jedem Thema kann man Sprichwörter finden. Wir bringen Licht ins Dunkel und stellen euch ein paar Sprichwörter vor.

Jemandem etwas in die Schuhe schieben“ (Die eigene Schuld auf jemand anderen abladen)

→ Früher galt dies vor allem für geniale Trickbetrüger. Oft gab es Gemeinschaftsschlafräume in Herbergen oder Gasthäusern, in denen Diebe leichtes Spiel hatten. Wenn aber doch einmal ein Diebstahl bemerkt wurde, bevor der Dieb den Tatort unbemerkt verlassen konnte, schob er sein Diebesgut schnell in die Schuhe oder Kleidung eines anderen Gastes und konnte so unerkannt verschwinden, während der andere nun als schuldig galt.

Wenn man jemandem heute also etwas in die Schuhe schiebt, lenkt man seine Schuld auf den anderen und entgeht so einer vielleicht unangenehmen Strafe.

Mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen“ (Ein unangenehmer Mensch sein)

→ Auch diese Redewendung ist schon etwas älter. Im Mittelalter waren Kirschen sehr begehrt, aber auch sehr selten und teuer. Diesen Luxus konnten sich also nur wohlhabende Leute leisten. Ab und zu trafen sich die reichen Gesellschaften zum gemeinsamen Kirschenessen und da mischten sich auch ab und zu Halunken der ärmeren Bevölkerung darunter, die vom guten Schmaus etwas abhaben wollten. Diese waren vom hohen Stand natürlich unerwünscht. Mit ihnen war also „Nicht gut Kirschen essen!“

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“ (Ausdruck von Überraschung/ Ungläubigkeit)

→ Dieser etwas makabere Spruch ist höchstwahrscheinlich auf eine Erzählung vom größten Scherzkeks, den Deutschland je gesehen hat, zurückzuführen: Till Eulenspiegel. Jener diente eine Zeit lang einem Brauereimeister, dessen Hund den verrückten Namen „Hopf“ trug. Als Till aufgetragen wurde, ein Bier zu brauen und dabei den Hopfen gründlich zu sieden, nahm es dieser jedoch allzu wörtlich und warf „Hopf“ in die Bratpfanne. Daraufhin rastete der Meister aus und jagte Till Eulenspiegel von seinem Hof.

„Durch Dick und Dünn gehen“ (jemandem ein guter/ treuer Freund sein)

→ Zur Entstehungszeit dieser Redewendung hatte das Wort „dick“ wahrlich nichts mit dem Gewicht eines Menschen zu tun, sondern dieselbe Bedeutung wie unser heutiges „dicht“.

Also sagte man früher: „Durch dicht und dünn gehen.“ Gemeint war hier vor allem der Wald, mit seinem dicht bewurzelten Waldboden und undurchlässigem Gestrüpp. Wer also jemanden durch einen solchen begleitete, war ein treuer Gefährte, denn damals war der Wald mit seinen zahlreichen Versteckmöglichkeiten eine hervorragendes Schlupfloch für Räuber und ähnliche Strolche.

„Eine Leiche im Keller haben“ (etwas verbergen/ verheimlichen)

→ Früher durfte man ungetaufte Kinder nicht auf einem öffentlichen Friedhof beerdigen. Da aber durch die früheren Gegebenheiten oftmals Kinder verstarben, die noch nicht getauft waren, mussten sich die Familien einen Ort für die Beisetzung überlegen. Der Keller schien ein geeigneter Ort dafür zu sein; abgelegen vom Haus, kalt und tief genug, um ohne weiteres Aufsehen die Leiche dort unterbringen zu können. Der oftmals erdige Boden der Keller war außerdem günstig für den Verwesungsprozess der Leiche.

„Einen Kater haben“ (nach ausgiebigem Alkoholgenuss Krankheitssymptome aufweisen)

→ Dieser Spruch hatte zur damaligen Zeit keineswegs etwas mit dem so beliebten Haustier zu tun. Das ehemalige Wort „Katarrh“ hieß so viel wie „Schleimhautentzündigung“. Da die Symptome dieser Krankheit ähnlich denen der Folgen eines Rausches sind, hieß es damals: „Ich habe einen Katarrh!“, wenn mal wieder zu viel getrunken wurde. Im Wandel der Zeit wurde aus dem früheren Wort „Katarrh“ „Kater“.

„Sich eine Eselsbrücke bauen“ (sich schwieriges Wissen durch Merkhilfen leichter einprägen können → Umweg zum Ziel nehmen)

→ Esel gelten ja schon immer als störrische Tiere. Was sie nicht wollen, machen sie nicht. Sie mögen es nicht besonders durch Bäche oder Flüsse waten zu müssen. Führte aber der einzige Weg durch ein Gewässer, musste man sich wohl oder übel etwas anderes einfallen lassen. Man baute also eine provisorische Brücke, um so den Esel samt Gepäck über das Wasser bringen zu können.