Leser vom Aussterben bedroht?

„Mann, jedes Jahr derselbe Sch***!“ Wer kennt solche Kommentare denn nicht, wenn es im Deutschunterricht wieder einmal heißt: „Dieses Jahr lesen wir wieder einen Klassiker!“ Und dabei muss es sich nicht einmal um einen waschechten Klassiker (mustergültige Werke, die als bleibend angesehen werden -> z.B. Goethe: Faust. Eine Tragödie.) handeln – da wäre der Protest eventuell noch verständlich – auch bei sonst sehr beliebten Jugendromanen wie „Tschick“ ist die Begeisterung nicht wirklich groß. Solche Sätze wie: „Das Buch habe ich ja schon einmal gelesen!“, sind – so wirkt es zumindest – fast vollständig aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, welche Vielfalt in jedem Buch steckt und wie schnell man mithilfe eines Buches in andere Welten abtauchen kann. Doch oft ist der Platz, an dem ein Buch sitzen sollte, vom Smartphone besetzt. Nichts gegen das Smartphone, im Gegenteil! Auch ich liebe mein Handy und kann es auch nicht sehr lange ohne aushalten, trotzdem muss ich mich als eingefleischte Bücherliebhaberin immer wieder fragen: Wie lange wird der Leser mit klassischem Buch noch vertreten sein?

Mir ist schon klar, lesen ist nicht jedermann’s Fall. Warum lesen, wenn das doch sowieso nicht gut für die Augen ist und man sich beim YouTube schauen eh viel mehr entspannen kann? Und warum sollte ich so viel Geld in Bücher stecken,wenn ich mir dafür auch das neu herausgekommene PS4 Spiel holen kann?

Mit Büchern kommen oft auch Vorurteile: „Streber“ oder „Außenseiter“ heißt es oft zu denjenigen, die mit einem Buch in der Öffentlichkeit sitzen.
Aber wahrscheinlich sollte man auch mal ein Buch in die Hand nehmen, um diese Vorurteile auszuradieren. Und dazu gehört nicht nur, es in die Hand zu nehmen. Nein, man muss auch mal ein paar Seiten umblättern. Und dann: lesen. Einfach mal fallen lassen, abtauchen in fremde Welten und Schul- und Alltagsprobleme hinter sich lassen.
Ein Buch kann nämlich viel mehr sein als „langweilige“ Schullektüre.

Apropos Schullektüre: ich kann ja verstehen, dass bei „Faust“ und Co nicht jeder Luftsprünge macht, aber bei bloßer Erwähnung des Wortes ‚Buch‘ gleich alles und jeden zu kritisieren, finde ich übertrieben. Und gerade die Bücher, die die Jugend in ihrer Themenvielfalt geradezu anspringen, kann man doch eine Chance geben. „Tschick“ ist ein Beispiel dafür. Ich persönlich habe das Buch drei oder viermal gelesen. Auch bevor es zur Pflichtlektüre wurde. Und mir wurde das Klischee bestätigt. Auch ich musste mir genügend nervige Sprüche anhören. Und plötzlich, als wir alle das Buch gelesen hatten, war ich nicht mehr die einzige Person, die von diesem Buch schwärmte.

Was zeigt uns das jetzt? „Generation Z“ ist das Buch nicht mehr wirklich gewöhnt. Allerdings mache ich mir um die Zukunft (noch) keine Sorgen. Es gibt noch genügend gute Bücher, die genügend Menschen lesen. Außerdem gibt es noch E-Reader und Tabletts, die das Lesen auch Technikbegeisterten näher bringen dürften.

Row of books on white backgroundEmbed from Getty Images (Name: Jamie Grill)