Klischees zum Anfassen – Herzlich Willkommen im Bundestag!

Klischees gibt es wahrscheinlich in allen Bereichen des alltäglichen Lebens. Ausnahmslos.

Und welcher Ort eignet sich besser dazu, Klischees hautnah zu erleben, als der Bundestag.


Klischee Nummer 1: „Politiker (bzw. Menschen, die im politischen Bereich arbeiten) tragen alle Kostüm und Anzug und sind erhabene Menschen“

Muss nicht sein, kann aber. Ich muss immer noch grinsen, denn ich hatte die Möglichkeit so jemanden live und in Aktion zu erleben. Vor dem Sicherheitscheck hatte sich eine endlos lange Schlange von mehr oder weniger interessierten Neuntklässlern gebildet und ein junger Mann, der uns in die Speisesäle im Bundestag bringen sollte, sah damit leicht überfordert aus. Geschniegelt und Gestriegelt, wie frisch aus der Waschmaschine, zupfte er verdächtig oft an seiner ohnehin perfekt sitzenden Krawatte. Als die letzten paar Schüler endlich – ohne Zwischenfälle – durch die Sicherheitsschleuse gekommen waren, wendet er sich an unsere Lehrer. Überbetonte Vokale, keine einzige verschluckte Endung. Und Wörter, die ich im täglichen Sprachgebrauch eher weniger benutzen würde. Dann ging er, mit erhobenem Kopf und stolzer Brust seiner Wege.

Klischee Nummer 2: „Politik ist langweilig“

Zumindest waren dieser Meinung 17 Schüler, die einmal die Ehre hatten, bei einer Plenarsitzung dabei zu sein. Sie schafften es, tatsächlich dabei einzuschlafen. Und da die Presse eh nichts anderes zu tun hatte, gab es gleich ein schönes Erinnerungsfoto, das sogar in ein paar Zeitungen veröffentlicht wurde. Seitdem heißt eine Regel für Zuschauer (Neben „Nicht reden, nicht klatschen, nicht aufstehen, nicht essen und auch sonst nichts machen, was irgendwelche Geräusche macht“): „Nicht einschlafen!“

Tatsächlich passiert es aber immer wieder, dass die Leute zum Schlafen in den Bundestag kommen. Seitdem achten die Wachleute neben der Sicherheit auch auf gelangweilte Zuschauer und schreiten notfalls ein, wenn einige die Sitzung mal wieder zu traumhaft finden.

Klischee Nummer 3: „Der Bundestag ähnelt einem Hochsicherheitsbunker.“

Irgendwie schon. Ohne Sicherheitskontrollen (die zumindest bei uns ohne weitere Zwischenfälle glattlief), geht gar nichts. Millionen von ‚oberwichtigen‘ Mitarbeiten (Ich hatte das Gefühl, sie standen nur herum und machten sich über uns lustig.); Türen, die sich nur öffnen, wenn die richtige Anzahl an Personen in der Schleuse steht und nochmal Millionen von Sicherheitsbeamten.

Und trotzdem ging am Tag zweimal der Alarm los. Und niemand schien sich darüber irgendwie aufzuregen. Scheint also normal zu sein.

Klischee Nummer 4: „Im Bundestag gibt es unglaublich viele wichtige Menschen“

Eigentlich könnte der Bundestag genauso gut ein beliebter Treffpunkt sein, zumindest wenn man die vielen Menschen betrachtet, die sich im und um den Bundestag aufhalten. Und für viele Menschen sind viele Mitarbeiter zuständig. Aber ob diese nun immer so wichtig sind…

Vor allem im Bereich der ersten Sicherheitskontrolle kann man an zwei Händen nicht abzählen, wie viele Mitarbeiter des Bundestages sich dort aufhalten. Viele dort stehen allerdings nur herum, beobachten die ewig langen Reihen von Besuchern und spielen an ihrem Ausweis, der um ihren Hals hängt. Ich frage mich immernoch, was denn eigentlich ihre Aufgabe dort ist.

Bitte nehmt die oben genannten Dinge nicht zu ernst 😉

Vielen Dank noch einmal an Frau Semmler, Frau Biedermann, Frau König, Herrn Cebulski und Herrn Vogt für die tolle Ausfahrt! 😀

Ein Gedanke zu „Klischees zum Anfassen – Herzlich Willkommen im Bundestag!

  1. Und ein Dank an MdB Carsten Körber, der einen Teil der Fahrt-und Verpflegungskosten aus seinem Wahlkreisgästebudget bezahlte…

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