Die gute Seite – Das Steuerbüro (Praktikumsreportage)

von Debora Leithold

 

„Steuerbüro? Das muss doch voll langweilig sein!“ – „Praktikanten sind oft überall erwünscht. Sie erledigen die „Drecksarbeit“, die kein Mitarbeiter freiwillig machen würde.“ – „Kopieren, Kaffee kochen, sauber machen und für Ordnung sorgen – mehr darfst du gar nicht“, das ist das, was man mir unter anderem über ein Praktikum im Steuerbüro erzählt hat, bevor ich alles selbst erlebte. War mein Praktikum wirklich langweilig? Durfte ich wirklich nur die Drecksarbeit erledigen? Über meine 2 Wochen im Steuerbüro und über die Erlebnisse und Erfahrungen möchte ich in dieser Reportage berichten.

Den ersten guten Eindruck erhalte ich mit dem Hineingehen in das moderne Gebäude, nachdem ich den Eingang auf der Rückseite des Hauses endlich entdeckte. Ein Treppenhaus und ein Fahrstuhl verbinden die drei Etagen. In der untersten befinden sich eine Miniküche, drei Räume, bei denen zwei als Arbeitsplatz genutzt werden, und Toiletten. Geht man ein Stockwerk höher, sieht man vier Büros, wovon eins der Chefin gehört. In der obersten Etage kann man in der neuen Küche sein Mittagessen genießen. Es gibt im Dachgeschoss neben den Toiletten noch mehr Räume, welche ich allerdings weniger nutzte. Dass alles neu aussieht, liegt an dem Umzug des Steuerbüros. Vor ein paar Wochen hätte ich noch in die Melanchthonstraße 2 in Crimmitschau laufen müssen, da erreiche ich doch das neue Haus auf dem Kirchplatz 5 bei der Laurentius-kirche deutlich besser. 

Die Folgen des Umzugs spürte ich am meisten am ersten und für mich gleichzeitig längsten Tag meines Praktikums, den ich größtenteils mit Aktenberäumung und Sortierungsarbeiten im Haus verbrachte. Die darauffolgenden Tage wurden immer entspannter, aber nie langweilig. Die Arbeit beginnt jeden Tag 7:30 Uhr. Als Erstes sortierte ich die aktuellen Ergänzungslieferungen von Steuergesetzen, Steuerrichtlinien und Steuererlassen ein. Anfangs sortierte ich einfach nur, später erklärt man mir, warum nicht nur ein Buch anstatt dreien verwendet wird. Die Steuergesetze dienen als Grundlage. Richtlinien und Erlasse bauen darauf auf und man kann, aber muss sich nicht nach ihnen richten. Sie bilden praktisch eine Art Vorlage, die teilweise oder gar komplett abweichen darf. Noch am ersten Tag zeigte man mir das alte Steuerbüro, welches in einem mir bis dahin unbekannten Stadtteil lag. Von außen sah es zwar nicht schlecht aus, aber das neue Haus ist einfach schöner. Damit war mein erster Tag gegen 15:30 Uhr beendet. Geschafft und müde vom Aufräumen fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Die kommenden Tage ging ich schon zwischen 11:30 Uhr und 14:40 Uhr.

Die Mitarbeiter freuten sich riesig, als ich am nächsten Tag die Adressdaten in den Dokumenten aktualisierte, schließlich müssen sie jetzt nicht mehr jedes Mal die Adresse ändern. Am Anfang war ich noch recht skeptisch, was die ganzen Programme auf dem Computer betraf. Ich habe das Gefühl, mir dabei nie einen Überblick verschaffen zu können. Nach einiger Zeit lerne ich jedoch, damit umzugehen und sie anzuwenden.

Ein Mitarbeiter wies mich in die Datenbank und die Buchführung ein. Buchführungen machte ich sehr gerne, auch wenn das für den ein oder anderen etwas seltsam und unverständlich klingt. Ich persönlich finde es interessant, für was manche Leute Geld ausgeben bzw. wie viel sie davon an Steuern bezahlen müssen. Angenommen man kauft Essen für 100 € ein, wobei nichts mit 7% Mehrwertsteuer, wie zum Beispiel Kaffee, dabei ist. Also bezahlt man 19% davon nur Mehrwertsteuer, das wären schon 19 €!! Wenn wir das nicht bezahlen müssten, könnte sich beispielsweise eine vierköpfige, sparsame Familie eine Pizza für 19 € zum Abendessen bestellen und hätte sich eine ganze Mahlzeit geleistet. Allerdings sind die Mehrwertsteuer, oder auch Umsatzsteuer genannt, von hoher Bedeutung für den Staat. Durch sie finanziert er zum Beispiel Sozialleistungen, den Unterhalt von Gebäuden und Betriebsausstattungen. Weiterhin gibt es noch 3 sehr wichtige Arten von Steuern: die Lohnsteuer, die Gewerbesteuer und die Einkommensteuer. Selbstverständlich existieren nicht nur diese 4 Arten. Es reicht sogar bis hin zu Hundesteuern. Was Steuern im Allgemeinen sind, steht im Steuergesetz AO 800 §3 Absatz 1: „Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein.“ Steuerfachangestellte beschäftigen sich mit Zahlen und Gesetzen ungefähr gleich oft und machen somit nicht immer das gleiche. Ein gewisses Grundwissen an Gesetzen setzt man bei der Arbeit voraus.

Eine Mitarbeiterin, die in dem Zimmer saß, wo ich die meiste Zeit verbrachte, zeigte mir, wie man eine Lohnrechnung erstellt. Die Berufskrankheit Nackenschmerzen bleibt währenddessen auch mir nicht erspart. Ich  war froh, dass ich diese anstrengende Arbeit nicht so oft machen musste und empfand nun vollsten Respekt für diejenigen, die sich dieser Aufgabe stellen.

Ich freue mich darüber, dass das ganze Team mich in so viele verschiedene Arbeiten wie nur möglich einbezog. Zwei Frauen stellten sich mir für ein Interview zur Verfügung. Sie meinten, besonders gefalle ihnen der Bezug zu Zahlen und Menschen.

Ab und zu kommt es vor, dass bei Mandanten (= Kunden) wichtige Informationen fehlen. Man muss daraufhin bei ihnen anrufen, um das zu klären. Manchmal gibt es ein Mandantengespräch, wo der Mandant sich mit der für ihn zuständigen Person trifft und größere Sachen besprochen werden. Mir erlaubt man nicht, an so einem Gespräch teilzuhaben. Verständlich, schließlich geht es dabei um private Dinge, die ein Mandant nicht unter Dasein einer Praktikantin besprechen will.

Neben Mandantengesprächen, Buchführung, Lohnabrechnungen und Sortierungsarbeiten gehören Jahresabschlüsse, Berichte, Steuererklärungen, Geldanlagen, Bilanzen und eine gute Beratung, grob zusammengefasst, zu den Aufgabenbereichen der Angestellten. Das Ziel des Steuerbüros ist es nicht, so viele Steuern wie möglich einzutreiben, sondern zum Wohle der Leute darauf zu achten, dass sie nicht zu viele Steuern bezahlen müssen.

Weiterhin erklärten Mitarbeiter mir, man könne nach der Ausbildung zwar schon vieles machen und habe einen guten Einstieg in das Berufsleben, doch es benötige mit der Zeit eine Menge Berufserfahrungen. Außerdem dürfe man alles an Gesetzen nachschlagen, sollte aber einiges auswendig wissen.

Das Praktikum im Steuerbüro erweiterte meine Vorstellungen vom Beruf als Steuerfachangestellte und brachte viele wertvolle Erfahrungen mit sich. Ich habe in das Arbeitsleben an sich und die verschiedenen Aufgaben einen sehr guten Einblick bekommen. Nach der Schule will ich auf jeden Fall einmal in die Richtung Rechnungswesen, und vielleicht sogar Steuerwesen, gehen. Auch wenn Praktikanten vielleicht etwas öfter Sortierungsarbeiten oder ähnliches machen müssen, kann ich von meinen 2 Wochen behaupten, dass man trotzdem versuchte, mir so viel wie möglich beizubringen. Und aufgrund der verschiedenen Aufgabenbereiche bzw. dem Wechsel zwischen Computer und Menschen, kann ich mir gar keine richtige Langeweile im Steuerbüro vorstellen.