„Das hier ist so überhaupt nicht am fly sein, da brauch ich erstmal ‘n Hopfensmoothie.“

scrabble

„Das hier ist so überhaupt nicht am fly sein, da brauch ich erstmal ‘n Hopfensmoothie.“ Ein angeblich normaler Satz für Jugendliche, aber ist das wirklich so? Auch dieses Jahr wird wieder das Jugendwort gesucht, doch über die tatsächliche Häufigkeit der Verwendung dessen lässt sich streiten! Bis Ende Oktober kann man noch auf der Website für das Jugendwort 2016 (Langenscheidt: http://www.jugendwort.de ) abstimmen und bis jetzt stehen 30 Favoriten fest.

Bei Wörtern wie Vollpfostenantenne (Selfiestick), Yologamie (offene Beziehung), Dumfall (dummer Unfall) und Swaggernaut (coole Person) stellt sich jedoch die Frage, ob die Wörter wirklich so sehr im Sprachgebrauch der Jugendlichen verankert sind, denn zumindest meinerseits sind mir fast alle Wörter nahezu unbekannt. Ich denke, dass solche Begriffe nicht von der Mehrheit im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet wird. Ich habe eher das Gefühl, dass sich jemand einen Scherz erlauben will und irgendwelche Wörter ausgewählt hat, die originell aber nicht exemplarisch für die Jugendsprache stehen. Jedoch ist Langenscheidt eine renommierte Institution, was es für mich nur noch unverständlicher macht. Vielleicht bin ich aber auch schon old school… 😉

Hier haben wir des Rätsels Lösung: Auf der Homepage befindet sich ein Link (http://www.jugendwort.de/wort-einreichen/), der jedem zugänglich ist, um dort einen „fancy Insider“ – also ein kreatives WORT – „einzureichen“. Es sollte möglichst kreativ, originell und einen entsprechenden Verbreitungsgrad haben. Das klingt doch alles recht kompliziert. Ist das nicht eher eine subjektive Entscheidung und hat wenig mit empirischen Studien (tatsächlich messbare Ergebnisse) zutun?

Schauen wir uns die 30 favorisierten Wörter einmal an, die meine Zweifel durchaus erklären: Trotz weniger, bekannter Wörter wie „isso“, welches eine einfache Abkürzung der Zustimmung „ist so“ ist und „Bae“ (before anyone/anything else), die man doch zu hören bekommt, bilden diese jedoch die Ausnahme, denn keineswegs ist die ganze Liste so unspektakulär gestaltet. Auffallend ist, dass viele Begriffe aus dem Englischen stammen wie zum Beispiel „slearning“, was so viel bedeutet wie beim Lernen oder im Unterricht zu schlafen, was ja durchaus manchmal vorkommt, oder „Swagphone“, welches für ein Smartphone zum Angeben steht. Außerdem werden auch sehr makabre Umschreibungen wie „Fleischdesigner“ für einen Chirurgen verwendet. Dennoch finden sich auch gesellschaftskritische Vorschläge wie „modeln“ (Hunger aushalten) unter den potenziellen Jugendwörtern. Nachtrag: Zugegeben, in diesem Fall durchaus berechtigt! Es lässt sich anmerken, dass alle Wörter auf Dinge bezogen sind, die Jugendliche beschäftigen, also beispielsweise Schule/Lernen, Mitmenschen, wobei es sich da um Eltern, Freunde, aber auch nicht gemochte Personen handeln kann und Technik. So sind positive Äußerungen über Personen zum Beispiel „Süßmo“ (süße Person) und „Mois“ (Kumpel). Eine negative dagegen ist „Uhrensohn“, was eine Person beschreibt, die zur falschen Zeit ein Idiot war. Aha!? Wenn es mal wieder Stress mit den Eltern gibt, kann es auch schnell passieren, dass der Vater anfängt zu „darthvadern“. Dies bedeutet so viel wie „den Vater raushängen zu lassen“. Zugegebenermaßen eine witzige Wortneuschöpfung. 😀 Auch im technischen Bereich hat man viel Auswahl, was die Umschreibungen angeht. „Tindergarten“ (Sammlung an Onlinedating-Kontakten), „Bambusleitung“ (schlechte Internetverbindung) und „Banalverkehr“ (belangloser Chatverlauf) sind nur einige Beispiele dafür. Wer alle 30 Favoriten kennenlernen möchte, kann sie auf dem Bild entdecken oder sollte sich im Internet darüber informieren. Die Liste ist leicht zu finden – den Link habe ich ja bereits eingefügt.

Von Jahr zu Jahr werden die Begriffe seltsamer, aber bedeutet das auch, dass die Sprache der Jugendlichen, „unsere Sprache“, immer unverständlicher wird? Werden wir überhaupt noch verstanden. Schafft Sprache neuerdings nicht Verständigung, sondern Missverständnisse?

Auch wenn man des Öfteren von Erwachsenen zu hören bekommt, dass man auf eine Art und Weise spricht, die für sie nicht nachvollziehbar ist, sind solche Wörter doch sehr selten im Sprachgebrauch. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch junge Menschen keine Aliens sind, sondern ganz normale, klar denkende Menschen, welche sich genauso gut ausdrücken können, wie Erwachsene. Ok, es mag eine Dunkelziffer geben, die vielleicht ihrer eigenen Sprache nicht ganz so mächtig ist. 😉

Wichtig: Um die Überschrift für alle Unwissenden, wie mich, aufzuklären, folgt jetzt die Bedeutung: „Das hier ist so überhaupt nicht cool, da brauch ich erstmal ein Bier.“ Keine Sorge, es besteht kein Zwang die angebliche „Sprache der Jugendlichen“ selbst zu verstehen, auch wenn man zu den Jugendlichen gehört, jedoch ist es auch nicht schlecht wenn man es tut! In dem Fall ein herzliches GZ! 😉

Quellen:

Beitragsbild:

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Bild im Text:

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Textverfasserin: Vanessa Noll

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