Fleischfressende Pflanzen – Vampire der Wiese

 

Schon mal gesehen? Auf dem angegebenen Bild erkennt man den wohl bekanntesten Vertreter der „Carnivoren“ (latein), oder fleischfressenden Pflanzen: Die Venusfliegenfalle. Wahrscheinlich gründet ihre Bekanntheit von dem einprägsamen Aussehen. Die Fransen am Ende der Schnappfallen erinnern an die spitzen Zähne eines Ungeheuers. Abwegig ist dies nicht, denn für jedes Insekt, welches sich von seinen Lockstoffen ködern lässt, sind diese Fransen das Letzte, was sie sehen.

Entsprechend ihrem Aussehen, wirkt diese Pflanze wie eine Bärenfalle. Das Opfer berührt einen Auslöser im Inneren und die Falle schnappt zu. Charles Darwin war davon fasziniert und fand selbst heraus, dass die Pflanze nur reagiert, wenn zwei Auslöser zur gleichen Zeit gestreift werden. So ist sicher gestellt, dass sie nicht bei jedem Regentropfen zuschnappt. Aber zurück zu der Falle: Das Insekt ist gefangen – die Fransen schließen es wie Gitterstäbe ein. Bald schon beginnt der Verdauungsprozess!

Das ist es, was die fleischfressenden Pflanzen von normalen Feld-, Wald- und Wiesengewächsen unterscheidet: Die Fähigkeit, sich neben Wasser, Licht und Nährsalzen der Erde, auch noch von Proteinen aus Insekten ernähren zu können! In diesem Falle wird das Leben des Insekts durch Poren des Blattes ausgesogen. Die fleischfressende Pflanze wirkt dabei auch nur durch die Bewegung des Insekts in seiner Todesangst! Einige Minuten, nachdem es Ruhe gibt, weil es erschöpft oder, wahrscheinlicher, tot ist, klappt die Falle langsam auf.

 Die Venusfliegenfalle ist ein wirklich besonderes Exemplar. Trotz ihrer Bekanntheit, ist sie nur an einem Ort der Welt zu finden: Im Osten des amerikanischen Staates North Carolina! Dort herrschen die Idealbedingungen. Und so gibt es auch keine Unterarten für diese Pflanze. Die Venusfliegenfalle ist also „monotypisch“!

Aber wenn wir über fleischfressende Pflanzen reden, ist nicht nur die Venusfliegenfalle als Beispiel anzugeben. Diese Pflanzen sind sehr unterschiedlich. Ein weiteres Beispiel: der Sonnentau!

Oblong-leaved sundew or spoonleaf sundew (Drosera intermedia) : Stock-Foto

Ein harmloser Name muss nichts bedeuten. Auch diese Pflanze ist auf ihre unscheinbare Art ein Beispiel der Grausamkeit. Auch wenn der Sonnentau in übermäßig viele Unterarten zu gliedern ist -u.a. Rundblatt-Sonnentau, Mittlerer Sonnentau oder der Langblättrige Sonnentau (insgesamt etwa 200 Arten)- so gibt es doch ein paar Gemeinsamkeiten: Wie anderen fleischfressenden Pflanzen ködert zunächst ein Lockstoff. Das Insekt beginnt mit seiner Suche und setzt sich auf der Pflanze ab. Und das war’s mit dir, Insekt! Es gibt kein Entrinnen, keine Hoffnung für den armen kleinen Flieger, wenn er in Berührung mit den Klebetropfen des Sonnentaublattes gekommen ist. Er kann sich noch so sehr abmühen, und wie wild mit den Flügeln schlagen, er kann sich nicht befreien. Im Gegenteil: mitunter berühren dabei noch mehr Glieder die Tropfen. Der Sonnentau reagiert aber nicht mit einem Happs, wie es die Venusfliegenfalle es täte – der Sonnentau lässt sein Opfer einfach kleben. Und schließt sie langsam ein. Der lange Arm des Fleischfressers braucht etwa eine halbe Stunde, bis er sich um das Insekt geschlossen hat, aber schon davor hat er begonnen es auszusaugen. Und auch diese Pflanze beendet ihre Folter erst, wenn das Opfer schon lange tot ist. Schon bei den Bemühungen zu entkommen, hat es sehr viel Energie verbraucht. Aber das Kleben durch eine zersetzende Substanz gibt einem dann den Rest.

Die rund 200 Arten des Sonnentau verteilen sich auf einer weiten Fläche der Weltkarte. Um die Gebiete näherungsweise einzugrenzen, kann man sagen: die Vorkommensgebiete liegen zwischen 50° und 66,5° auf der Nordhalbkugel der Erde. Die Pflanze bevorzugt warme, feuchte Standorte und ist winterhart.

Der nächste Vertreter unserer Kategorie der Garten-Blutsauger ist eine Pflanze, die man sich als lebendigen Säuretopf vorzustellen hat! Liebe Leserinnen und Leser, ich präsentiere: Die Kannenpflanze!

Grundlegend unterscheidet dieses Exemplar sich von den anderen fleischfressenden Pflanzen! Und das nicht nur wegen seinem bizarren Äußeren, sondern auch im Tathergang: Hier wird nicht gesaugt, sondern verdaut! Unser Opfer begibt sich nichtsahnend auf die Suche nach dem Lockstoff, welcher auch von dieser Pflanze abgegeben wird. Es wird fündig! An der Unterseite des Kannendeckels befindet er sich. Das Insekt begibt sich an den Kannenrand, beugt sich vielleicht weiter hinein – und da ist es auch schon zu spät! Denn die Kanneninnenseite ist mit einer glatten Wachsschicht überzogen. Und im unteren Teil der Kanne befindet sich eine unscheinbare Flüssigkeit, fast wie Wasser. Voll von Verdauungsenzymen! Das Insekt rutscht ab und landet in der Säure, bevor es begreifen kann, was gerade passiert ist. Nun zersetzt die Säure es und die Reststoffe setzen sich am Boden der Kanne ab. Dort kann die Pflanze sie aufnehmen. Die Leichen ihrer Opfer bleiben noch auf ewig dort liegen, weil nicht alles an ihnen verdaulich ist.

Auch keine schöne Art zu sterben! Und von der Kannenpflanze gibt es rund 100 Arten! Manche davon lassen ihre dicken Kannen herabhängen an Stielen, diese Arten wachsen eher oben, aber andere bestehen praktisch nur aus Kannen, welche sich gerade nach oben strecken. Diese Arten wachsen nur auf der Wiese. Die meisten Arten der Kannenpflanze kommen in Südostasien vor, nur Vereinzelte fand man in Madagaskar, Nordaustralien, Indien und Sri Lanka.

Vampire der Wiese- auch Pflanzen können grausam sein!