„Panik, Zeitdruck und Kein Bock“ oder „Das Grauen der Facharbeit“

 

young women studying / working in home office : Stock-Foto

Mein Zimmer sah aus, als sei ich irgendein angehender, verstreuter Professor, der kurz davor steht das Werk, dass die Geschichte verändern wird, fertigzustellen. Aber nein, es waren weder hochgefährliche Stoffe oder streng vertrauliche Akten mit denen ich arbeitete, sondern lediglich die Materialen meiner Facharbeit. Und trotzdem tun wir als Schüler so, als würde unser Leben von diesen sechs bis zehn Seiten abhängen, die nun über Leben und Tod (*dramatische Musik*) entscheiden. Natürlich denken nicht alle so, aber irgendwie ist es doch das negative Highlight der zehnten Klasse und alle sind heilfroh, wenn sie es hinter sich gebracht haben. Die Facharbeit, die wir ALLE irgendwann schreiben müssen, kann man also entweder einfach als Klassenarbeit ansehen und dann halt kurz vor Abgabe schnell mal aus dem Ärmel schütteln (Würde ich keineswegs empfehlen!!!), oder man macht sich schon in der siebten Klasse Stress und endet dann zwar mit einer fertigen Facharbeit, aber auch mit einer völlig fertigen Psyche. Es gilt also einen gesunden Mittelweg zu finden, mit dem man bei völlig geistiger Gesundheit (abgesehen von der natürlichen Verrücktheit eines jeden) eine gute (oder bessere 😉 ) Arbeit erstellen kann.

Zu Beginn will ich ganz ehrlich sein: Mein ursprüngliches Facharbeitsthema wurde abgelehnt und dann hatte ich den Salat. Zu Hause natürlich völlige Verzweiflung: „Was, wenn ich jetzt Info ziehe? Oder schlimmer: Chemie?!“  (Dies soll jetzt kein Angriff gegen diese Fächer und Fachlehrer sein 🙂 ) Na ja, das Leben muss ja weitergehen und dann sitzt man halt zu Hause, mit dem gezogenen Fach, ist halbwegs zufrieden und hat jetzt: 1. Ein Problem, 2. ein eventuell bestehendes noch größeres Problem und 3. Ärger.

Zu 1.: Wo bekomme ich jetzt ein gelungenes Thema her? Zu 2.: Was mach ich, wenn ich ein Thema aufgehalst bekommen habe, bei dem mir beim bloßen Gedanken die Galle kommt? Zu 3.: Warum, verdammt, wurde mein Thema abgewählt?! Tja, man muss sich letztendlich mit allem revanchieren. Sobald dann die nervenaufreibende Frage der Themenwahl geklärt ist, kann es im Grunde auch schon losgehen. Man hat den Leitfaden, sein Fach und Thema und bereits jetzt hat man das Gefühl, der Zeitdruck sitzt im Nacken und lacht dich aus. Irgendwann werden die Deutsch- und Infostunden im Unterricht kommen, bei denen einem eingebläut wird, dass man ja keinen Punkt bei der Fußnote vergessen darf, dass der Zeilenabstand auf keinen Fall verändert werden darf, etc… Ja, ziemlich viel Formales, dass es unbedingt einzuhalten gilt – wenn man denn dann mit dem Schreiben beginnt. Und das ist der springende Punkt. Irgendwann muss man tatsächlich anfangen. Und das am besten mit der Recherche. Das heißt, bei Google auch auf die zweite Seite klicken, auch wenn dort im Grunde schon das „Dark Web“ beginnt. Und auch nach Büchern suchen und diese, im besten Fall auch lesen. Aufzupassen ist bei der Quellenangabe, die unausgesprochene Mutter der Hölle. Alles bitte wie im Leitfaden, haargenau so und nicht anders, und wehe der Abschlusspunkt fehlt! Als kleiner Tipp: die Lehrer warnen ja vor einer Quellenabgabe in Tabellenform, aber für den Überblick ist sie trotzdem zu empfehlen. Wenn man dann seine Quellensammlung vollendet hat, beginnt die Suche nach Informationen. Der Markierer wird wahrscheinlich dein bester Freund werden. Im Grunde ist das aber eigentlich eher ein „leichterer“ Teil der Arbeit, zumindest bis man den Gedanken mit seinen eigenen Worten formulieren muss. „Er starb im Jahre 1856.“ – „Im Jahre 1856 starb er.“ Dein Betreuer wird wahrscheinlich ein bisschen mehr erwarten. Apropos Betreuer – die drei Pflichtkonsultationen sollten nicht vergessen und wenn möglich  nicht erst einen Tag vor Abgabe abgehalten werden (Asche auf mein Haupt 😉 ). Wenn es allerdings nicht anders geht, na ja, hauptsache man liefert eine gute Arbeit ab,  nicht wahr? Wenn es dann zum finalen Schreiben kommt, muss jeder wahrscheinlich seinen eigenen Weg finden da irgendwie durchzukommen. Ob erst per Hand oder gleich am Computer, findet euren Weg am besten mit dem Schreibprozess klar zu kommen. Wenn dann alles erledigt sein sollte, kommt dann FFF. Die finalen, formalen Feinde. Das heißt Fußnoten, Fußnoten, Quellenverzeichnis und nochmals Fußnoten. Ist wirklich alles richtig angegeben, sind alle Zitate korrekt angezeichnet? Wenn ja, dann supi ;), wenn nicht, dann Überstunden – bis dann alles wirklich fertig ist.  Dann nur noch ausdrucken, dem Drang widerstehen das Ding zu verbrennen, die CD brennen und warten bis zur Abgabe – und feiern, wenn die Arbeit nun abgehakt ist. Es wartet dann zwar schon wieder die Verteidigung, aber das ist ein anderes Kapitel und eine Auszeit, die sich nach der Arbeit erst einmal alle verdient haben – außer die Lehrer, die müssen korrigieren. 🙂