Tumblr-Gedanken für’s Leben

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich. ~ André Gide

Ja ja, solche Zitate stehen en masse auf Glückwunschkarten, in Videos von der Familie, auf denen irgendein Schlumpf in schriller Stimme Sprüche runterleiert oder auf irgendwelchen Tumblr-Posts. Eine liebgemeinte Geste, doch irgendwann nervt’s und man blendet solche Sprüche einfach aus. Zumindest die meisten. Aber irgendwann musste doch ein schlauer, lebenserfahrener und weiser Mensch einen solchen Spruch in großer Runde losgelassen haben. Mit lauter Ah’s und Oh’s der beeindruckten Zuhörer als Antwort und Zack!, ist die Welt ein kleines bisschen besser und die Zitateportale im Internet sind bereichert. Egal um was, Glück, Liebe, Freud und Leid – im Grunde findet man zu jedem x-beliebigen Thema ganze Sammlungen von Zitaten und schlauen Lebensratgebern. Ganz gut eignen sich die Dinger übrigens als Präsentationseinstieg. Welchen Nutzten solche Sprüche aber sonst haben, weiß wahrscheinlich niemand so genau.

Wenn man aber mal so ganz, ganz, ganz tief in sich reinüberlegt, dann hat Herr Gide von oben eigentlich gar nicht so Unrecht. Natürlich, wenn einem das neue Iphone angeboten wird, oder die neuen Yeesys, oder eine Strandvilla in Los Angelas mit eigenem Mercedes und Hauskino… Dann wird man sich wohl überlegen, ob man sagt: „Nein, tut mir leid, WENN überhaupt, dann verschenke ich das jemanden, denn nur dann kann ich ein reines, sich lohnendes Leben führen, aber vielen Dank. Hach ja, ich so bescheidener Mensch bin glücklich, allein weil ich gebe!“ Bestimmt (und auch hoffentlich) gibt es ein paar solcher Menschen. Und auch das Annehmen solcher oder ähnlicher Angebote ist sicherlich in unserer Gesellschaft nachvollziehbar. Aber (ja, egal wie man es dreht und wendet, es gibt immer ein Aber :D) wer kennt nicht das Gefühl an Weihnachten, wenn man jemanden ein Geschenk macht (mal davon abgesehen, dass es vielleicht am selben Morgen noch schnell irgendwo aus dem Sale gezogen wurde – das wäre nicht so ideal. Weder als Beispiel hierfür, noch als nette Geste) und dann ist man selber fast genauso aufgeregt wie der Beschenkte. Wenn sich das Gegenüber dann noch ehrlich über das Geschenk freut, dann ist man auch  gleich selbst happy und kann entspannt Weihnachten feiern. Dasselbe gilt übrigens für Geburtstage, Muttertag, Valentinstag, Ostern, im Grunde eigentlich das ganze Jahr über. Und eigentlich braucht man gar keinen spezifischen Anlass um jemanden glücklich zu machen. Und auch jemanden glücklich zu machen, muss keinen materiellen Wert haben. Einfach die schnelle „Ich wünsch dir einen schönen Tag!“-Nachricht am Morgen an jemanden, den man gern hat, ein ehrliches Kompliment an jemanden… Dinge, die eigentlich so alltäglich sind, das man sie vergisst  und sie aus dem Alltag verschwinden. Dieses kleine Kribbeln im Bauch, dieses kurze Hochschnellen der Mundwinkel – eigentlich sollte dies genügend Anlass sein, jemanden eine Freude zu machen, oder? Egal, in welcher Form. In unserer Welt passiert so viel grausames, wir Menschen finden immer einen Grund unglücklich zu sein. Hören wir eigentlich auch mal gute Nachrichten im Radio? Wer berichtet von den Alltäglichen Helden? Niemand. Denn die alltäglichen Helden sieht niemand. Sie sind unsichtbar. Es sind die Leute, die jemanden an der Kasse vorlassen, die etwas aufheben, was jemand fallengelassen hat, die Leute, die den Regen auch mal positiv sehen, oder generell das Wetter, und die Menschen, die dich nach einem schlechten Tag aufmuntern und du deinen Zweifel kurz vergessen kannst. Diese Menschen geben ohne zu wissen, das sie geben. Und vielleicht ist das gerade der ausschlaggebende Punkt. Wenn man diesen und auch anderen Menschen einfach mal etwas gibt, ohne es im Grunde zu wissen (scheint schwierig, ist aber eigentlich einfach), dann wird die Welt vielleicht doch ein ganz kleines bisschen besser und Herr Gide darf sich nun freuen, denn er hatte ja doch Recht.

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